J. Altmann, G. Pomberger: Kooperative Softwareentwicklung: Konzepte, Modell und Werkzeuge, Tagungsband, 4. Internationale Tagung Wirtschaftsinformatik (WI`99), Saarbrücken 1999, Physica Verlag, pp 644 - 664.


Die Entwicklung komplexer Softwaresysteme bedingt eine intensive Zusammenarbeit mehrerer Projektmitarbeiter mit unterschiedlichen Aufgaben. Der Entwicklungsprozeß ist häufig ein zeitlich und räumlich verteilter Arbeitsprozeß, der innerhalb und zwischen spezialisierten Arbeitsgruppen stattfindet. Deshalb gilt es, auf Fragen zur Arbeitsteilung, zur Kommunikation, zur Koordination und zur Kooperation bei der Planung, Entwicklung und Wartung komplexer Softwaresysteme entsprechende Antworten zu finden. Entwicklungsumgebungen, die die Gruppenarbeit explizit unterstützen, sind eine wesentliche Voraussetzung, um qualitativ hochwertige Softwaresysteme zu erstellen. Die meisten der heute eingesetzten Softwareentwicklungsumgebungen unterstützen primär technische Aspekte und weisen im Bereich der Organisationsunterstützung Lücken auf. Dieser Aufsatz beschreibt ein Modell für kooperative Arbeitsprozesse in Softwareprojekten und eine darauf abgestimmte Entwicklungsumgebung, die sowohl die organisatorischen als auch die technischen Aspekte der Softwareentwicklung in ausgewogener Weise unterstützt. Damit soll ein Beitrag zur Produktivitäts- und Qualitätssteigerung bei verteilter Softwareentwicklung geleistet werden. Mit dem vorgestellten Modell für kooperative Softwareentwicklung und der darauf aufbauenden Entwicklungsumgebung Cooperation Assistant wird einerseits ein Beitrag zur Beseitigung von Leistungsdefiziten in Softwareentwicklungsumgebungen geleistet und andererseits eine Experimentierumgebung zur Verfügung gestellt, die es gestattet, auf empirischer Basis die These zu untermauern oder zu widerlegen, daß der kooperative, cluster-orientierte Entwicklungsansatz im Hinblick auf die Ausschöpfung von Produktivitäts- und Qualitätssteigerungspotentialen dem rigiden phasenorientierten Entwicklungsansatz deutlich überlegen ist, insbesondere bei räumlich und zeitlich verteilter Projektorganisation. Die Arbeiten zur Konzeption des Modells und die Implementierung der Entwicklungsumgebung sind abgeschlossen. Mit der Evaluierung des vorgeschlagenen Ansatzes wurde begonnen. Die bisher vorliegenden Erfahrungen mit dem Einsatz des Cooperation Assistant bestätigen die Annahme, daß der kooperative, cluster-orientierte Entwicklungsansatz sowohl produktivitäts- als auch qualitätssteigernd wirkt. Der vorgestellte Ansatz zeichnet sich vor allem durch die leichte Verständlichkeit des Modells, die intuitive Bedienbarkeit der Werkzeuge und die übersichtliche Darstellung von prozeß- und produktbezogenen Informationen aus.